Förderung von Frühchen
Wie sagte einst Arvo Ylppö, einer der Begründer der deutschen Neonatalogie und selbst ein Frühchen im Alter von 98 Jahren: "Das schwierigste bei Frühgeborenen ist, vorauszusagen, was aus ihnen wird. Ganz sicher kann man das eigentlich nur, wenn sie in meinem Alter sind." Für Experten und Eltern bestehen zahlreiche Möglichkeiten, Frühchen zu fördern. Eltern können auf Erfahrungen aus der Praxis und Wissen aus Studien zurückgreifen, um ihren Babys zu helfen, die fehlende Entwicklung aufzuholen. Oft gelingt können so gute Ergebnisse erzielt werden, dass nach Jahren kaum jemand bemerken wird, dass ihm ein Frühchen gegenüber steht.
Frühförderung
Wenden Sie sich an die Frühförderstellen Ihrer Stadt bzw. Ihres Landkreises. Sie sind kompetent, was die kindgerechte Förderung von Frühchen angeht und begleiten Sie in Fragen der Förderung und Entwicklung Ihres Kindes. Ein Vorteil der Frühförderung liegt in der ganzheitlichen Förderung durch interdisziplinäre Entwicklungsdiagnostik. Es wird z.B. nicht nur der Bereich Physiotherapie (Feinmotorik, Grobmotorik) abgedeckt, sondern auch heilpädagogisch gefördert, auf die Wahrnehmung sowie die Sprachentwicklung geachtet. In Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt wird ein Heil- und Behandlungsplan erstellt. Die Teilnahme an der Frühförderung ist für die Eltern kostenfrei.
Physiotherapie
Speziell auf Frühchen abgestimmte Physiotherpaie kann sehr effektiv die Entwicklung eines Frühgeborenen positiv beeinflussen. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt bzw. Neonatologen darüber. Suchen Sie sich einen Physiotherapeuten in Ihrer Nähe, der Erfahrung mit der Behandlung von Frühchen hat. Bobath für Frühgeborene ist beispielsweise eine sehr effektive und nach entsprechender Anleitung teilweise zu Hause durchführbare Methode.
Känguruing
Die Känguru-Methode oder das Känguruing wird auf jeder modernen neonatologischen Station gefördert. Dabei sitzt Mutter oder Vater in einem bequemen Liegestuhl, während das Frühchen auf der nackten Brust abgelegt wird. In der Regel verweilt man dabei für mindestens eine Stunde. Je nach Zustand des Frühgeborenen kann diese entspannende Kuschelphase auch gerne mehrere Stunden andauern. Sprechen Sie mit dem Pflegepersonal wie und in welchem Umfang Sie mit Ihrem Frühchen Känguruing durchführen können. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass diese Vorgehensweise die Eltern-Kind-Beziehung fördert und zur Genesung des Babys beiträgt (z.B. ruhigerer Schlaf, weniger Schreiphasen, besserer Blutdruck und geringere Herzfrequenz).
Musik für Frühgeborene
Immer wieder zeigen Studien, dass Frühchen auf Musik positiv reagieren. In den meisten neonatologischen Stationen gehört ein CD-Spieler zur Ausstattung eines jeden Patientenzimmers. Das Vorspielen von Musik lässt sich besonders gut in den eigenen vier Wänden praktizieren. Musiktherapie ist ohne großen Aufwand zu Hause praktizierbar. Achten Sie jedoch auf die Empfehlungen über die maximale Dauer des Vorspielens von Musik. Frühchen reagieren empfindlich auf ein Zuviel an Reizen, sie dürfen nicht stundenlang "dauerbeschallt" werden. Auch die Art der Musik sollte keinen Stress bei Frühgeborenen auslösen. Deshalb empfiehlt es sich, Musik für ein Baby bedacht auszuwählen.
Literatur zum Thema Förderung
Förderung frühgeborener Kinder mit Musik und Stimme, Ribaupierre, 2004
Musik im Rahmen der frühkindlichen Entwicklung - Un-, Neu- und Frühgeborene, Proßegger, 2007
Frühgeborene brauchen Liebe. Was Eltern für ihr 'Frühchen' tun können, Strobel, 2006
Prävention von Entwicklungsstörungen bei Frühgeborenen, Dick, 1998
