Entwicklung von Frühchen
Die von der Frage nach der Überlebenschance am häufigsten gestellte Frage besorgter Eltern lautet: Wie wird sich mein Frühchen entwicklen? Dazu gibt es bereits eine ganze Reihe von Studien und Untersuchungen. Tatsache ist, dass Frühchen häufig Langzeittherapien benötigen. So stellten Pierre-Yves Ancel und Beatrice Larroque von der Universität Pierre et Marie Curie in Paris fest, dass 31 Prozent der zwischen der 30. und 34. SSW geborenen Frühchen auch noch im Alter von fünf Jahren irgendeine Form der Physio- oder Psychotherapie erhalten. Im Vergleich dazu werden nur 16 Prozent der Kinder therapiert, die in den Genuss von vollen 40 Schwangerschaftswochen kamen.
Eines steht fest: Viele Frühgeborene haben leichte Entwicklungsstörungen, bei denen es sich nicht um eine deutliche Behinderung handelt. Daher spielt die Förderung für Frühchen eine so wichtige Rolle!
ADHS bei Frühchen?
Dr. Nina Gawehn spricht in ihrer Dissertation am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie der Ruhr-Universität Bochum von Aufmerksamkeitsproblemen und kognitiven Defiziten von Frühgeborenen im Alter von sechs Jahren. Sie empfiehlt eine gezielte Frühförderung auch ohne Feststellung deutlicher neurosensorischer Einschränkungen. Bei extrem früh geborenen Kindern vor der 28. SSW zeigen sich mehr soziale Verhaltensprobleme. Sie sind im Vorschulalter häufiger von ADHS und ADS betroffen. Ob die Aufmerksamkeitsstörung bei Frühchen ein bleibendes Defizit oder lediglich eine Entwicklungsverzögerung, lässt sich nicht sicher klären. Es emfehlen sich Nachuntersuchungen in Perinatalzentren, die z.B. den neuropädiatrischen Status sowie die kognitive Entwicklung beinhalten.
Autistische Züge bei extrem Frühgeborenen
Extrem-Frühchen, die ein Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm aufweisen, scheinen verstärkt zu autistischen Zügen zu neigen. Eine Studie des Children's Hospital Boston spricht von jedem vierten Frühgeborenen als auffällig, während im Gesamtschnitt nur eines von 150 Kindern von Autismus betroffen ist. Allerdings besteht keine Aussage darüber, ob sich die aufälligen Frühgeborenen später tatsächlich zu Autisten entwickeln! Extrem früh geborene Babys neigen stärker zu Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen sowie Lernschwierigkeiten. Eine frühzeitige Diagnose ist sinnvoll, um zeitnah durch passende Therapieformen gegenzusteuern (Quelle).
